Konzept zur Entwicklung des Gasnetzes: Das Heizen muss bezahlbar bleiben

„Wir wollen verhindern, dass die Menschen bei der Beheizung ihrer Wohnung in Kostenfallen laufen“, da ist sich unsere Fraktion mit der von Bündnis 90/Die Grünen und Die Linke+ sehr einig. In enger Abstimmung mit Witten Zero, einer Untergruppierung der Klima-Allianz, fordern die Fraktionen daher jetzt in einem gemeinsamen Antrag, dass die Stadtwerke ein Konzept zur künftigen Entwicklung des Gasnetzes vorstellen sollen – und eine Informationskampagne der Stadt.

Verlässliche Planung

„Es ist sehr wichtig, dass alle frühzeitig erfahren, wie die Stadtwerke in Witten eine klimaneutrale Wärmeversorgung bis 2040 erreichen möchten“, bekräftigt Dr. Uwe Rath, der Vorsitzende unserer Fraktion. Mit diesen Informationen könnten die Bürgerinnen und Bürger verlässlich planen, wie sie die Beheizung ihrer Räume auch in Zukunft gut und bezahlbar gestalten. Ihnen müsse klar sein: Das Erdgas wird immer teurer.

Schutz vor Fehlinvestitionen

 „Die Haushalte müssen vor Fehlinvestitionen in neue Gasheizungen oder vermeintlich wasserstofffähige Heizungen geschützt werden“, konkretisiert Liane Baumann, die Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen. Es sei daher ein Ziel der gemeinsamen Initiative, die Stadt zur Aufklärung über das vom Rat beschlossene Zieljahr der klimaneutralen Wärmeversorgung zu verpflichten.

Kundenkreis schrumpft

„Eine schrittweise Ablösung der Erdgasversorgung ist erforderlich, um dieses Ziel zu erreichen“, betont Ben Luckner, der Fraktionsvorsitzende von Die Linke+. Zudem, so unterstreichen die drei Fraktionsspitzen, ergebe diese Ablösung sich auch automatisch, da die Nachfrage nach Erdgas schon jetzt nachlasse und immer mehr Haushalte auf wirtschaftlichere und klimafreundliche Heizlösungen umsteigen würden.

Verkleinerung des Gasnetzes

 „Für die im Netz verbliebenen Haushalte bedeutet das stets eine Kostensteigerung, weil die Netzentgelte von einem immer kleineren Kundenkreis getragen werden müssen“, betonen die drei Ratsmitglieder. Eine geordnete und gut durchgeplante Verkleinerung des Gasnetzes könnte daher sowohl für die Stadtwerke als auch für deren Kundschaft die beste Lösung sein. „Durch eine frühzeitige Planung lässt sich möglicherweise verhindern, dass Gasnetze teuer instandgehalten werden müssen, um einzelne verbleibende Haushalte zu versorgen“, bekräftigt Liane Baumann.  

Wasserstoff ist keine Alternative

„Das Heizen von Gebäuden mit Wasserstoff ist leider keine Alternative, stellt Uwe Rath klar: „Der Zwischenbericht der kommunalen Wärmeplanung hat verdeutlicht, dass nach heutigem Stand für die Haushalte nicht genügend Wasserstoff vorhanden sein wird. Außerdem sollte er eher in industriellen Prozessen Verwendung finden.“ Auch darüber müsse die Wittener Öffentlichkeit in der Breite dringend informiert werden.

Möglichkeiten aufzeigen

Doch natürlich müsse es Alternativen zur Erdgasheizung geben, unterstreichen die drei Fraktionsvorsitzenden. Aus diesem Grund sollen die Stadtwerke in ihrem Konzept aufzeigen, welche Maßnahmen sie treffen, um sicherzustellen, dass im gesamten Stadtgebiet auch künftig kein Gebäude kalt bleiben muss. Der Ausbau des Fern- und Nahwärmenetzes sei eine dieser Möglichkeiten.  

Von 69 auf 0 %

„Konkret soll das Konzept auch nachvollziehbar machen, wie sich das Gasnetz über die Jahre entwickelt, wenn der Erdgas-Anteil an der Wärmeversorgung von aktuell 69 % auf möglichst 0 % im Jahr 2040 gesenkt wird“, erläutert die Fraktionschefin der Grünen. In Dreijahres-Schritten solle geschätzt werden, wie stark die Anzahl der Gaskunden bis 2040 abnehmen wird.

Investitionsbedarf

Ben Luckner ergänzt: „In diesem Zusammenhang ist es auch wichtig zu wissen, wie alt die Wittener Gasleitungen sind, wie hoch der Investitionsbedarf in dieses Netz ist und wann die Leitungen steuertechnisch abgeschrieben sind.“ Diese Zahlen ließen dann Schlussfolgerungen zur künftigen Gesamtwirtschaftlichkeit des Gasnetzes zu.

Entwicklung der Gebühren

 „So wird auch klar, wie sich die Netzgebühren für die Gaskundschaft voraussichtlich entwickeln werden“, unterstreicht Uwe Rath die Bedeutung dieser Berechnungen. Diese Darstellung solle zwei unterschiedliche Szenarien umfassen: In dem einen werden Teilgebiete schrittweise stillgelegt und in dem anderen bleibt das Gasnetz komplett erhalten.

Industriebetriebe

Wichtig ist den Fraktionen auch eine Übersicht der Leitungen, die möglicherweise für andere Gasarten genutzt werden können. „Dabei denken wir aber vor allem an die Industriebetriebe, die nicht elektrifiziert werden können“, erläutern sie.

Interaktive Wärmekarte

Für mehr Verlässlichkeit könnte aus ihrer Sicht eine interaktive Wärmekarte sorgen, wie es sie in Zürich oder Basel gibt: „Darin kann jeder für seine Adresse nachschauen, welche Heizlösungen die Stadt dort zukünftig empfiehlt. Sei es der Anschluss an ein Wärmenetz, der Kauf oder die Pacht von Wärmepumpen.“ „Wünschenswert ist zudem eine gute Beratung, auch über die Fördermöglichkeiten“, erklärt der Fraktionschef der Linken+.  

Sozialverträgliche Lösungen

Von großer Bedeutung sei auch, dass die Ablösung von der Erdgasversorgung  niemanden übermäßig belaste, unterstreicht der Sozialdemokrat Uwe Rath: „Wir möchten daher, dass die Stadt gemeinsam mit den Stadtwerken Lösungen für eine sozialverträgliche Abfederung der Entwicklung erarbeitet.“

Veränderungen stehen an

Die drei Fraktionsvorsitzenden haben bei ihrer Initiative im Hinterkopf: Bei mehr als jeder dritten Heizung in Witten steht aufgrund des Alters in den nächsten fünf Jahren ein Austausch bevor. Aktuell heizen noch fast 90 % der Wittener Haushalte mit fossilen Brennstoffen – größtenteils mit Erdgas.

Foto von Colourbox.de

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