In den ÖPNV muss künftig mehr Geld fließen

Klimawandel und nervige Verkehrsstaus machen deutlich, dass Bus und Bahn dringend attraktiver werden müssen. „Die Fahrpreise spielen eine wichtige Rolle, wenn mehr Wittener und Wittenerinnen dazu gebracht werden sollen, ihre Autos künftig stehen zu lassen“, weist SPD-Ratsherr Martin Rose auf einen dicken Hemmschuh hin.  Um Wege auszuloten, welche Erleichterungen kurzfristig umgesetzt werden könnten, hat er einen Antrag gestellt, über den am 18. Februar in der Sitzung des Verkehrsausschusses erstmals diskutiert wird. Gemeinsam mit dem stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden Martin Kuhn möchte er erreichen, dass die Stadtverwaltung dem zuständigen Kreis vier Prüfaufträge für eine kostenlose Nutzung des ÖPNV in Witten erteilt.

Martin Rose

 „Ganz konkret möchten wir wissen, was es kostet, wenn bestimmte Nutzergruppen komplett oder zu bestimmten Tageszeiten gratis mit Bus und Bahn fahren können“, erläutert der Sozialdemokrat. Es soll festgestellt werden, was es kostet, wenn

 Wittener Jugendliche im Alter zwischen 14 und 18 Jahren täglich ab 21.30 Uhr für den ÖPNV im Stadtgebiet nicht bezahlen müssten

alle Wittener  täglich ab 21.30 Uhr innerhalb des Stadtgebietes ohne Fahrschein einsteigen könnten oder wenn ihre ab 18 Uhr gelösten Hinfahrt-Tickets als kostenloses Rückfahrt-Ticket  gelten würden

alle Wittener  ab 75 Jahren für die Nutzung des ÖPNV in  der Stadt nicht mehr bezahlen müssten

alle Empfänger staatliche Transferzahlungen gratis mitfahren dürften.

„Da  viele Schülerinnen und Schüler Langzeit-Tickets besitzen, dürfte die Kostenbelastung durch die Umsetzung der ersten Prüfvariante sich in Grenzen halten“, vermutet Martin Rose. „Wenn alle Wittener in den Abendstunden kostenlos den ÖPNV nutzen dürften, könnte so mancher sich von den Vorzügen überzeugen lassen und künftig auch tagsüber öfter einsteigen“, hält  Martin Kuhn einen Werbe-Effekt durch die Umsetzung des zweiten Vorschlags für möglich. Zum Beispiel entfalle so die oft lästige Parkplatzsuche.

Martin Kuhn

Die dritte Prüfvariante betrifft die Rentner, von denen immer mehr nur ein geringes monatliches Einkommen haben. „Obwohl es für ihre Lebensqualität wichtig ist, mobil zu bleiben, sind die Kosten für den ÖPNV eine Belastung“, wissen die beiden Sozialdemokraten. Nicht jeder aus dieser Altersgruppe könne sich ein Auto leisten. Andere hätten zwar eines, nutzten es aber – auch wegen der wachsenden Unsicherheit am Steuer – nur noch selten. „Arztbesuche, der Einkauf und die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben würden dieser Personengruppe leichter fallen, wenn die Nutzung von Bus und Bahn innerhalb der Stadt für sie künftig gratis wäre“, vermutet Martin Rose.

Dazu komme noch der positive Effekt, dass die Trennung vom Führerschein im gehobenen Alter leichter falle, wenn sich mit dem Gratis-ÖPNV eine gute Alternative biete. „Damit wäre auch ein wichtiger Beitrag zum Unfallschutz geleistet“, stellt Martin Kuhn fest. In der Vergangenheit seien solche Anregungen auch schon von Bürgern an die Fraktion herangetragen worden.

Mehr Lebensqualität

Ganz ohne Zweifel wäre die Gratisnutzung des ÖPNV gerade für Empfänger staatlicher Transferzahlungen wie Arbeitslosengeld II (Hartz IV), Wohngeld und Grundsicherung eine wesentliche finanzielle Erleichterung. „Das Sozialticket ist für sie zwar schon eine Unterstützung,  doch der Wegfall von Kosten für Bus und Bahn innerhalb der Stadt würde  die Lebensqualität der Betroffenen verbessern“, sehen die beiden SPD-Ratsmitglieder hier große Möglichkeiten. Wenn Zahlen vorliegen lasse sich beurteilen, was die Stadt sich finanziell leisten kann, ohne ihren Haushalt zu gefährden. Für die SPD-Fraktion steht allerdings fest: „In den ÖPNV muss künftig mehr Geld fließen.“