Psychiatrie: Patientenwohl muss im Vordergrund stehen

Im Einsatz für eine ortsnahe vollstationäre Versorgung von Wittener Psychiatrie-Patienten richtet die SPD-Fraktion einen dringenden Appell an Landrat Olaf Schade, sich für das Wohl der Wittener Kranken stark zu machen: „Es kann nicht sein, dass die Patienten aus der größten Stadt im Ennepe-Ruhr-Kreis weiter lange Wege antreten müssen, nur weil Kliniken aus anderen Städten ihre eigenen Angebote ausbauen möchten.“

Dr. Uwe Rath

NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann hatte der Stadt Witten ursprünglich eine wesentliche Verbesserung in Aussicht gestellt. Am Evangelischen Krankenhaus sollte ein voll- und teilstationäres psychiatrisches Angebot aus der Taufe gehoben werden. Die Städte Herdecke und Hattingen, deren Kliniken bislang Wittener Patienten versorgen, hatten dagegen jedoch Einspruch erhoben. Daraufhin setzten Hintergrund-Gespräche auf Politik- und Verwaltungsebene mit dem Ziel ein, einen Kompromiss zu finden.

Anfahrt ist eine Zumutung

Die Klinik in Hattingen-Niederwenigern ist sogar für den Großteil der Wittener Patienten zuständig: „Das ist eine echte Zumutung für die Kranken und ihre Angehörigen, weil die Klinik mit dem ÖPNV nur sehr schlecht zu erreichen ist. Die Fahrt dauert zweieinhalb Stunden. Jetzt besteht endlich die Chance, diesen erheblichen Mangel zu beheben und ich erwarte vom Landrat, dass er sich auch für die Wittener Patienten einsetzt“, bekräftigt der SPD-Fraktionsvorsitzende Dr. Uwe Rath. Als Landrat sei er den Wittener*innen genau so verpflichtet wie denen aus anderen Städten. Wirtschaftliche Interessen von Kliniken müssten zurücktreten, wenn es um die Gesundheit von Menschen gehe.

Isolation ist nicht hilfreich

„Ich habe von ehemaligen Wittener Patientinnen gehört, die die lange Anfahrt nach Niederwenigern geradezu als Albtraum empfunden haben“, berichtet er weiter. In der Klinik hätten sie sich dann völlig isoliert gefühlt, weil auch Freunde und Verwandte den Weg dorthin gescheut hätten. „Ausdrücklich sagt das nichts über die Qualität der Behandlung in dieser Klinik aus“, stellt der Fraktionsvorsitzende klar. Allerdings könne auch der Kontakt mit dem gewohnten sozialen Umfeld bekanntlich in vielen Fällen zur Gesundung beitragen. Es gehe schlicht um die sehr ungünstige Lage der Hattinger Klinik, die Wittener Patient*innen nicht länger zugemutet werden könne.

Ein Kompromiss sieht anders aus

Allerdings, so Dr. Uwe Rath, habe sich in den Hintergrundgesprächen zur Psychiatrie inzwischen der Wind gedreht. Nun blase er der Stadt Witten aus Richtung Herdecke und Hattingen sowie aus Schwelm direkt ins Gesicht: „Ziel dieser Gespräche sollte es sein, eine einvernehmliche Lösung herzustellen. Das Evangelische Krankenhaus in Witten hat einen großen Schritt in diese Richtung getan und angeboten, die Anzahl der ursprünglich vom Ministerium angebotenen Betten deutlich zu reduzieren“, lobt der Sozialdemokrat. Doch nach allem, was ihm aus diesen Gesprächen bekannt sei, hätten die Kliniken aus Hattingen und Herdecke sich überhaupt nicht kompromissbereit gezeigt und das Ziel der Gespräche ad absurdum geführt. Sie wollten das Angebot in Witten schlicht verhindern.

Ein Landrat muss vermitteln

„Auch wenn nicht er selbst am Ende entscheidet – von Landrat Olaf Schade erwarte ich, dass er zwischen den Interessengruppen so vermittelt, dass am Ende alle zufrieden sein können. Eine Lösung, die für die Wittener Patienten keine Verbesserung bringt, ist dazu wahrhaftig nicht angetan“, übt der Vorsitzende der SPD-Fraktion scharfe Kritik. Genau das drohe jetzt. „Wenn es tatsächlich so kommt, geht hier in Witten ein großes Stück Vertrauen in diejenigen verloren, die in Gesprächen einen Kompromiss erreichen wollten und am Ende doch nur die Wittener Patientinnen im Abseits sitzen gelassen haben“, zieht er Bilanz. Es dürfe schwer fallen, diesen Schaden wieder zu beheben.